Welches erneuerbare Heizsystem eignet sich für mein Zuhause?

Das EU-geförderte Projekt REPLACE hat Instrumente entwickelt, die eine einfache und kompetente Hilfestellung bei der Umstellung auf erneuerbare Heizsysteme bieten.

Bub Sitzt auf der Heizung und lacht

iStock/Pyrosky

Etwa die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs der EU kommt durch Heizung und Kühlung zustande, wobei zwei Drittel aller installierten Heizsysteme in Europa ineffizient sind. Gerade alte Heiz- und Kühlsysteme können wahre Energiefresser sein. Somit wird ein großer Teil der hineingesteckten Energie verschwendet.

Beim Austausch ineffizienter Heizungsanlagen gibt die REPLACE Heizungsmatrix einen ersten Überblick der möglichen Optionen: Sie zeigt, welche Art von erneuerbarem oder an die Fernwärme angeschlossenem Heizsystem für Ihr Ein- oder Zweifamilienhaus oder für ein größeres Gebäude am besten geeignet ist. Die Matrix arbeitet dabei mit einem leicht verständlichen Ampelmodus, der die passenden oder nicht geeigneten Lösungen skizziert. Die Grundlage dafür ist ein umfassender Kriterienkatalog, der vor allem Heizkomfort, Investitionskosten und CO2-Emissionen berücksichtigt.

Auswahl einer klimafreundlichen, wirtschaftlich attraktiven und stabilen Heizlösung

Wenn Sie Ihr eigenes Heizungstauschprojekt wirtschaftlich bewerten wollen, verschafft der REPLACE-Heizungsrechner Abhilfe. Auf Basis des eigenen Wärmebedarfs gelangen Sie nach ein paar Eingaben zur aktuellen Anlage und der lokal verfügbaren/möglichen Brennstoff-/Energieversorgungsoptionen direkt zum Ergebnis: dieses weist alle in Frage kommenden klimafreundlichen Heizsysteme aus und gibt Auskunft über die jährlichen Heizkosten und CO2-Einsparungen im Vergleich zum bestehenden Heizsystem. Für das Tool sind keine Vorkenntnisse notwendig, es funktioniert auf Basis wirtschaftlicher Standardwerte und verfügbarer Investitionsförderungen der ausgewählten Region.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, für jede betrachtete Technologie eigene Investitions- und Förderdaten oder Betriebskosten (z.B. aktuelle und zukünftige Brennstoffpreise, Wartungs- und Reparaturkosten) einzugeben. Damit können auch konkrete Angebote von Installateur:innen verglichen werden.

Mehr Informationen über Ihre Möglichkeiten beim Heizungstausch finden Sie in den REPLACE Handbüchern für Endkund:innen, sowie für Fachleute. Diese listen unter anderem auch einige nützliche Empfehlungen, wie Sie Ihren Wärmeverbrauch generell senken können. Des weiteren werden Best-Practice-Beispiele realisierter, innovativer Ansätze aus acht europäischen Ländern gezeigt.

Wichtige Schritte vor dem Heizungstausch

Noch vor der konkreten Planung einer neuen Heizanlage sollten Sie kosteneffektive Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs ergreifen, die sowohl den

  • langfristigen Energieverbrauch,
  • als auch die Anfangsinvestition der neuen Heizanlage (da bei einem geringeren Energiebedarf auch ein kleineres Heizsystem ausreicht) reduzieren können.

Wie kann ich meinen Wärmeenergieverbrauch noch senken?

Den langfristigen Energieverbrauch eines Gebäudes können Sie, unabhängig vom gewählten alternativen Heizsystem, mit folgenden Maßnahmen senken:

  • Wärmedämmung der obersten Geschossdecke des Hauses – spart 15 bis 20% des jährlichen Heizenergieverbrauchs eines Einfamilienhauses und amortisiert sich in wenigen Jahren.
  • Hydraulischer Abgleich der internen Wärmeverteilung und des Heizkörpersystems des Hauses – dabei wird der Wassermassenstrom so eingestellt, dass der Wärmetransport in jeden Raum optimiert und der Temperaturanstieg im gesamten Haus harmonisiert wird. Die installierende Fachkraft benötigt dafür einen halben bis ganzen Tag. Diese Maßnahme reduziert den jährlichen Heizenergieverbrauch um 5 bis 15%.
  • Austausch von Fenstern, insbesondere wenn die Luftdichtheit oder die Wärmedämmung schlecht ist. Dies kann den Heizenergiebedarf um 20 bis 25% senken und den Wohnkomfort erheblich steigern.

Zusammen mit den oben genannten Maßnahmen kann der Heizenergieverbrauch mehr als halbiert werden. Das ist –  auch in Relation zur Anfangsinvestition einer neuen klimafreundlichen Heizanlage –beachtlich.

Tipps für den Umgang mit einer Wärmepumpe

Insbesondere wenn Sie vorhaben eine moderne Wärmepumpe als alternatives Heizsystem zu beschaffen, sollte Folgendes in Betracht gezogen werden:

  • Achten Sie darauf, dass die Vorlauftemperatur des hauseigenen Verteilsystems unter 45°C liegt – nur dann kann eine Wärmepumpe auch wirklich effizient arbeiten. Wenn Sie eine Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung haben, reicht auch eine Vorlauftemperatur von 35 C oder weniger in Kombination mit einer Wärmepumpe.
  • Wenn Ihr Haus über Heizkörper (oft mit 50 bis 70°C Vorlauftemperatur) verfügt, können Sie das 45°C-Kriterium trotzdem erfüllen. Dafür müssen Sie aber den Heizenergieverbrauch des Hauses durch die oben beschriebenen Maßnahmen so weit reduzieren, dass die vorhandenen Heizkörper das Haus auch bei deutlich niedrigerer Vorlauftemperatur ausreichend warmhalten können. Bitte beachten Sie außerdem, dass jedes Grad an Vorlauftemperatur unter 45°C weitere 2 % des Jahresstrombedarfs der Wärmepumpe spart. Sie können den Heizenergieverbrauch noch weiter senken, indem Sie weitere Teile der Gebäudehülle (Fassade, Keller, Außentüren, etc.) thermisch sanieren oder Heizkörper mit Ventilatoren ausstatten.
  • Die Bereitstellung des Warmwassers mit einer Wärmepumpe erfordert eine Vorlauftemperatur von mindestens 55°C. Dieser Energiebedarf kann mittels einer Photovoltaik-Anlage (und idealerweise einem elektrischen Heizstab in einem Warmwasserspeicher) noch effizienter gedeckt werden. Alternativ kann auch eine thermische Solaranlage mit Warmwasserspeicher eine geeignete Lösung sein.
  • Eine weitere Maßnahme, die in Kombination mit einer Wärmepumpe von besonderem Interesse sein kann, ist die Installation eines zusätzlichen kleinen Spitzenlast-Heizsystems. Solch ein System, das kann z.B. ein Holzkachelofen oder ein Pelletofen im Wohnzimmer sein, dient als Reserve für sehr kalte Tage. Typischerweise tritt die maximale Heizlast nur an etwa 6 von 180 bis über 200 Heiztagen auf (je nach Klimazone), und 80% der Heizlast treten nur an etwa 20 Tagen auf. Am effizientesten ist es, wenn 20% der oberen Heizlast an den 30 kältesten Tagen der Heizsaison von einem Reservesystem bereitgestellt werden. Dadurch kann die Wärmepumpe noch kleiner dimensioniert werden und wird sowohl billiger als auch effizienter. Denn der Betrieb einer Wärmepumpe ist an besonders kalten Tagen am ineffizientesten.

Über REPLACE

REPLACE ist ein Forschungs- und Innovationsprojekt. Das Hauptziel des Projektes ist es, Menschen in acht verschiedenen Ländern zu motivieren und dabei zu unterstützen, ihre alten Heizsysteme durch umweltfreundlichere Alternativen zu ersetzen, basierend auf fundierten Entscheidungen. Durch die Umsetzung der Projektkampagnen sollen jährlich 144.000 Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart werden (nach einer 5-jährigen Anlaufzeit). Die Österreichische Energieagentur leitet das Projekt, welches von der EU im Rahmen des Programms Horizon 2020 finanziert wird. Insgesamt arbeiten 11 Projektpartner in acht Ländern gemeinsam daran, das Heizen und Kühlen in Europa sauberer und effizienter zu machen. Neben Österreich wird REPLACE auch in Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Deutschland, Nordmazedonien, Slowenien und Spanien durchgeführt.

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